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Schönheit in Superzeitlupe

Ihre Musik klingt nach Science-Fiction-Meditation.

Warum eilen, wenns doch gerade so schön ist? Die Violinistin Katryn Hasler hat ein Bio-Ambient-Album vom obskurer Anmut eingespielt.

Sie ist die Antithese zum Teufelsgeiger. Der Inbegriff des Nicht-stürmisch-Seienden. Katryn Hasler, Geigerin, Abgängerin der Hochschule für Musik in Bern, will auf ihrem Instrument keine Virtuosität vollführen. Lieber stellt sie es in den Dienst von Spannung, Versunkenheit und purer Schönheit.

Ihr neues Album, das soeben auf dem Tonus-Label von Don Li erschienen ist, hat Katryn Hasler auf den Namen "PLASTIK" getauft. Dabei hatte sie wohl weniger den allgegenwärtigen Kunststoff im Sinn als die skultpurartige Dreidimensionalität ihrer Tonkunst. "PLASTIK" ist ein obskures Ambient-Werk, sparsam mit Elektronik unterfüttert, langatmig im besten Sinne des Wortes: Es ist, als wolle die Künstlerin hier Schönheit in Superzeitlupe inszenieren. Sekundiert wird sie dabei von Lionel Gafner am Bass und Tian Bosshard am Schlagzeug, Gespielen, die Halsers im Detail komplexe und doch so spartanische Kompositionen mit Anmut legieren.

Die Nähe zum Berner Ton- und Groove-Alchemisten Don Li kommt nicht von ungefähr. Katryn Hasler teilt dessen Sinn für Ästhethik, dessen Vorliebe zur nordinidischen Klassik, und sie teilt die Idee, der grassierenden Reizüberflutung eine Art musikalische Askese entgegenzusetzen.

Und es gefällt ihr, der scheinbaren Luftigkeit ihrer Musik ein strenges Regelwerk entgegenzustellen. So dient die Zahl fünf als rhythmische Zähleinheit, und die Kompositionen beruhen jeweils auf fünf Tönen. Sie stellt Patterns mit abweichenden Tempi in den Raum, und dennoch klingt diese Musik nie wissenschaftlich oder verklausuliert. Katryn Haslers Tracks gleichen vielmehr planetarischen Systemen, die klaren Abläufen folgen und gleichwohl grenzenlose Freiheit implizieren. Sie wolle Musik entwickeln, die der Langsamkeit unserer Empfindungen entspreche, sagt Katryn Hasler. Irgendwie scheint sie den Puls getroffen zu haben.

Ane Hebeisen, der Bund, 15.Mai 2014

 

Klangskulptur

Die junge Bernerin Katryn Hasler leuchtet mit ihrer tieftonigen Baritonvioline verborgene Seelenräume aus. Ihre archaischen Klänge paart sie auf dem neuen Album "PLASTIK" mit Bass, Drums und dezent eingestreuter Elektronik. Auf einen Grundstock klassisch-indischer, vermeintlich eintöniger Ragas schichtet sie Minimalloops und ausgeklügelte rhythmische Figuren, die sich sukzessive zur Klangskulptur verdichten. Meditationsmusik im besten Sinn.

Frank von Niederhäusern, KulturTipp Nr.12 2014

 

Spröde Schönheit

Die Baritongeigerin Katryn Hasler veröffentlicht mit "PLASTIK" die zweite CD unter eigenem Namen und bekräftigt damit ihren Ruf als Musikerin, der die Soundqualität ihres Instruments wichtiger ist als virtuose Fingerfertigkeit.

Sieht man sich Katryn Haslers Künstlerbiographie an, so wirkt der Anfang austauschbar: Die 1983 geborene Baslerin entstammt einer Musikerfamilie, sie begann als Kind mit dem Geigenspiel, widmete sich - ihrer Instrumentenwahl entsprechend - dem klassischen Repertoire und schaffte die Aufnahme ins Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester. Zu hören war sie im In- und Ausland, als Mitgleid verschiedener Formationen, aber auch solistisch. 2008 schloss sie ihr Studium an der Hochschule für Musik in Bern ab. Seine Individualisierung beginnt einerseits mit Katryn Haslers Faszination für minimalistische Konzepte und der Zusammenarbeit mit dem Tonus-Musik-Begründer Don Li, andererseits mit ihrem Interesse an traditioneller indischer Musik.

Im Jahr von Haslers Studienabschluss erscheint ihr bereits im Vorjahr aufgenommener Erstling "11.58". Das Repertoire ist ihr dabei von Don Li, von dem sie auch begleitet wird, auf den Leib geschrieben. Das Folgealbum "PLASTIK", das diese Tage ebenfalls auf Tonus Music Records herausgekommen ist, zeugt insofern vom wachsenden Selbstbewusstsein der Künstlerin, als es von Katryn Hasler selbst produziert worden ist und sämtlische Kompositionen aus ihrer eigenen Feder stammen. Die einzelnen Stücke tragen - das ist eine Tonus-Konvention - serielle Titel, was den experimentellen Charakter der Musik betonen soll. In den einzelnen Stücken äussert sich dieser in den verwendeten harmonischen und rhythmische Pattern, wobei das Ergebnis so gar nicht kopflastig oder berechnet klingt. Im Gegenteil: "PLASTIK" ist voller berührender Momente, in denen der Sound der Musik direkt das Gemüt anspricht. Hauptkomponente dieses Sounds ist natürlich Katryn Haslers Baritonvioline, eine tiefer gestimmte Geige, die häufiger im Jazz und im experimentellen Bereich eingesetzt wird als im klassischen Konzertbetrieb. Ja, die Verwendung dieses dunkel klingenden, eine spröde Schönheit ausstrahlenden Instruments ist geradezu als Absage an das athlethische Virtuosentum der klassische Musik zu verstehen - eine Absage zugunsten einer Ästhethik der bewussten Reduktion, die mehr andeutet denn ausführt.

Der Titel "PLASTIK" spielt selbstredend nicht auf den Kunststoff an, sondern verweist auf - dreidimensionale - Strukturen. Der Gedanke an eine innere Ordnung durchzieht denn auch die Musik, nimmt aber nicht Überhand, so dass sich das Ohr ganz und gar dem klangfarbenreichen Sound hergeben kann.

Georg Modestin, Jazz'n'more Nr.4 2014

 

Von ungekünstelter Schönheit

Plastik heisst die Band, mit der sich die Bariton-Violinistin Katryn Hasler auf die Fährten der klassischen indischen Musik begibt. Ein Name, der in die Irre führt. Zusammen mit dem Tablaspieler Kayam Ali Kawa, dem Elektrobassisten Lionel Gafner und unter Mithilfe dezent eingesetzter Elektronik kreiert sie eine wunderbar ausbalancierte, aber nie ausformulierte Musik, die einen vom ersten Ton an betört. Nichts mit Plastik. Diese Musik ist von ungekünstelter Schönheit. Ane Hebeisen (Der Bund Oktober 2011)

 

Gemeisterte Herausforderung

Die Herausforderung, die darin besteht, ein gewollt einfach gehaltenes, zudem auch noch bewusst repetitives Notenmaterial mit Leben zu füllen, mag zunächst mal abschrecken. Die 1983 in Basel geborene und in Bern klassisch ausgebildete Violinistin Katryn Hasler, die durch ihre Zugehörigkeit zum 2003 begründeten Tonus-String-Quartett einschlägig «vorbelastet» ist, stellt sich der Aufgabe mit Bravour: In Zentrum von Katryn Haslers Spiel steht nicht instrumentale Brillanz, sondern der musikalische Ausdruck. Mit minimalen Mitteln wird eine elegische Grundstimmung heraufbeschworen, deren verschattete Nachdenklichkeit im Tonus-Korpus ihresgleichen sucht. Haslers «Sound» birgt dabei ein breites Spektrum an Klangfarben in sich und ist, unabhängig vom Notenmaterial, an sich schon eine Ohrenweide, zumal er von Don Lis dezenter, doch nicht minder schillernder Begleitung wirkungsvoll eingerahmt wird.Mit «11.58» betreten Don Li und Katryn Hasler musikalische Gefilde, die von den Tonus- Künstlern bislang eher gemieden wurden: Ihnen gelingt es, intensive Gefühle ohne jede Sentimentalität hörbar zu machen. Georg Modestin (Der Bund, 28.Mai 2009)

 

KATRYN HASLER "11.58"

Über 60 Minuten lang wiederholt sich ein einfaches melodisches Motiv. Es brennt sich einem ins Herz. Wie eine Anrufung, ein Gebet, schwingt sich die Violine empor, bis nach knapp einer halben Stunde vorübergehend sanft-elektronisierte Klangflächen das Szepter übernehmen. Die junge Violinistin Kathrin Hasler hat mit ihrem Debütalbum auf Tonus Music die Latte ihrer künstlerischen Intentionen hoch gelegt: Statt mit technischen Kapriolen zu glänzen, ordnet sie sich einem Konzept unter und wird Teil eines übergreifenden Klangprozesses, den man wie eine heilsame Berührung einwirken spürt. Pirmin Bossart (Jazz'n'more April 2009)